Dĕ Mengĕn - Die Meinen

Dĕ Mengĕn

Frejt mech näh dĕ Mengĕn!
Näh ärrĕr Harkunft, näh ärrĕm Hious,
Sa diårt wundĕltĕn, da Griußĕn uch Kliënĕn,
Änd' si fraudich gengĕn än uch ious.
Da siën`ĕt! Da tråtz dĕr villĕn Mahn
Salws hekt noch näh dĕr åldĕn Hïmĕt glahn!

Frejt mech näh dem Mengĕn!
Dem mir ïst innij vĕrtratĕn Iårt,
Di`si hïmĕsch-hiësch wa`åf Iërdĕn net fengrĕn,
Wä friuh dĕt Låchĕn klung ängdĕ fiårt.
Ĕt es dä! Wä dĕ Wäldĕr sich wegdĕn,
Dĕ Berj uch`t Tol amschlångĕn sänkt Zegdĕn.

Frejt mech näh dem Mengĕn!
Dem Berj den meng Bleack säckt mët siëhnĕn,
Diårt wä dĕ Sonnĕstrohlĕn hïßĕr schengĕn,
Un dĕn Hengĕn Guldriëwĕn sich diëhnĕn.
Di es`ĕt! Wä fraudichfriuh dĕt Liëwĕn quallt,
Hangĕr uch Durscht dĕr Harzĕn uch Sïlĕn stallt.

Frejt mech näh den Mengĕn!
Sĕ wundĕltĕn åf granĕn Maddĕn,
Diårt wä ĕ jedĕr wiåhlkunn wår dĕ Sengĕn,
Ba Låst uch Späll äm kahlĕ Schadĕn;
Ba`m schwänkĕn dĕr Bechĕr mët Gäldnĕmweng,
Ba`nĕm Spaß uch låstich Gĕplausch äm Mänscheng.

Frejt mech näh dem Mengĕn!
Dem Hious wä Mottĕr ïst wåcht mët Geduld,
Diårt wä sĕ bĕreahicht håt`Kängdĕr Grengĕn,
Uch lechĕlnd bleackt än‘ t Wäjĕnlund.
Dåt wår ĕt! Ïst gēbårjĕn äm Gortĕn,
Wä hekt vĕrgiëwĕns dĕ Schadĕn wordĕn.

Frejt mech näh den Mengĕn!
Mir låut`näh um Harz! Wåt es gĕschahn?
Wä se`sĕ hekt dĕ Griußĕn uch dĕ Kliënĕn?
Vum ålden Hious es näst mih zĕ sahn!
Dĕ Griußĕn uch Kliënĕn wä se`sĕ bliwĕn,
Ious dem åldĕn Hïm wordĕ`sĕ vĕrdriwĕn!...

Karlsruhe-Neureut, Juni 1993,
Liëwĕnsschäcksål zeatreffĕnd fiår vill Vulksdiëtschĕn ious Osteuropa.

Die Meinen

Fragt mich nach den Meinen,
Nach ihrer Herkunft, nach ihrem Haus,
Wo einst wandelten die Großen, die Kleinen
Und so fröhlich gingen ein und aus.
Jene sind es! Die trotz der vielen Mühen,
Auch heute noch der alten Heimat glühen!

Fragt mich nach dem Meinen,
Dem mir einst so innigtrauten Ort,
Der heimisch und schön, wie auf Erden keiner,
Wo froh das Lachen klang immerfort.
Jener ist es! Wo die Wälder sich weiten,
Den Berg und das Tal umschlingen seit Zeiten!

Fragt mich nach dem Meinen,
Dem Berg den mein Blick sucht mit Sehnen,
Dort wo die Sonnenstrahlen heißer scheinen,
An den Hängen Goldreben stehen.
Jener ist es! Wo freudenfroh das Leben quillt,
Hunger und Durst der Herzen und Seelen stillt!

Fragt mich nach den Meinen,
Sie wandelten auf grünen Matten,
Dort wo jeder willkommen war den Seinen,
Bei Lust und Spiel im kühlen Schatten;
Beim schwenken der Becher mit goldenem Wein,
Und manch heiterem Plauschen im Mondenschein!

Fragt mich nach dem Meinen,
Dem Haus wo Mutter am Herde stand,
Dort wo sie einst stillte des Kindes Weinen
Und lächelnd blickte in`s Wiegenland.
Jenes war es! Einst geborgen im Garten,
Wo heute vergebens die Schatten warten!

Fragt mich nach den Meinen!
Mir liegt`s am Herzen nah was geschah.
Wo sind sie jetzt die Großen und die Kleinen?
In dem alten Haus ist keiner mehr da!
Wo sind die Großen, die Kleinen geblieben,
Aus ihrer Heimat wurden sie vertrieben!...

Karlrsuhe – Neureut, Juni 1993,
Lebensschicksale, zutreffend für viele Volksdeutschen aus Osteuropa.

(c) M. M. Binder-Scholten Karlsruhe-Neureut, Juni 1993