Dĕ Lekt ious mengĕr Zekt - Die Leute aus meiner Zeit

Dĕ Lekt ious mengĕr Zekt

Bĕkunt wår`n mër dĕ Lekt ious dĕr Gĕmïn,
Schiun zĕ`r Zekt dea ech noch wår gunz klïn.
Gĕspillt håt' ich mët dĕ Kängdĕn zĕsummĕn,
Mër riufĕn as chä ållĕn ba`m Numĕn.

Uch' t griëssĕn lïrt ech dĕ Lekt åf dĕr Gåss,
Ow sĕ wår`n Frängd or`Faund, gunz ängnĕn Håss.
Ech lïrt`ĕt dĕr hïm, ba`m Lihrĕr Ihrlich
Uch dĕrnäh ba`m Fårrĕr Knall än dĕr Kirch.

Ålt Lekt moßt ech håldĕn än Ihrĕn,
Diët wår dĕt Irscht wåt ech sull lïrĕn.
Mët Gĕsästĕrn uch Frängdĕn geat vĕrdrähn,
Dåt moßt ech schiun åls klïn Kängd verstähn.

Ba den villĕn da mër wårĕn dĕr hïm,
Än dem salwĕn Hof mët mengĕm Pitzihm.
Dä moßt`ĕm gor vill Gĕdult åfbroingĕn,
Am net zĕ vill den undrĕn zĕ droingĕn.

Diënnich gåw`t uch gĕneach Dånnĕrwäddĕr,
Dåt dĕ Kängd stef bliwĕn fiår Gĕziëddĕr;
Bĕsangdĕrs wunn`t drä wegtĕr geng äm Stregd,
Mët “wa“? uch „wåt“? "Dåt dech dĕr Schlåj noch hekt“!

Wa dĕ Kängd åwĕr ĕrfångdrĕsch siën,
Zichtĕ sĕ gen`t Agläck ĕn fengĕn Sänn.
Feng iënĕr un zĕ kreschĕn, zĕ bisĕln,
Drä ziujĕ mĕr dĕrvun wa dĕ Wislĕn.

Summĕltĕn dĕ Kängd sich ïst zĕm Hufĕn,
Drä wår ållĕst vĕrgessĕn ba`m lufĕn.
Dånnĕrwäddĕr, bisĕln, Kreschĕn bliw dĕr hïm,
Mër kriuchĕn äm Bäsch schiun åf dĕ hechst Bïm.

Äm Wiërbäsch, um Rech or`äm Hummĕn,
Wu`mër ïst ållĕn zĕsummĕ kumĕn:
Dĕr Gäll, dĕr Hanz, dĕr Sim, dĕt Lis uch`t Mai,
Kumĕn uch undrĕn ious dĕr Rechgåss ĕrbai.

Nichĕn Wiëch wår zĕ schwĕr fiår diës, fiår mech,
Ïst wår`mër angdĕn, drä wiëdĕr åf'`ĕm Rech.
Dĕr Bäsch wår net fär, ĕ lockt zĕm Spillĕn!
Ĕt wårĕn nichĕn da zĕräck blëiwĕ sillĕn.

Wa kaingd`ĕm zĕräck blëiwĕn uch zeasahn,
Wä dĕ Kängd spilldĕn Kliëpsch uch Dråchĕn zahn;
Änd liëffĕn am dĕ Wat mët dĕn Hangdĕn,
Sprungĕn iwĕr`n Ziong vun iåwĕn uch angdĕn.

Äm Awĕr ba`m spillĕn vĕrgeng dĕ Zekt,
Åwĕr wi merkt dåt kom, ihr law Lekt:
„Ĕt es nea schiër deankĕl“! sät åfïst as Tim,
Drä riuf dĕ Mottĕr: „Ihr Kängd, kut nea Hïm“!...

---

Ech hiren uch hekt da sånft Mottĕrstämm,
Trotzdem dĕ Gähr se gongĕn dähenĕn...
Doch wä as Hious uch Gortĕn ïst steangd,
Es hekt ållĕst vĕrwiëst bäs åf dĕ Greangd!

Ĕrziëhlt mër`t, sät`t mir, ihr meng law Lekt,
Wä siëd ihr ållĕn gĕbliwĕn hekt?
Ihr`ålln da ech ïst hu`gĕkunnt åls Kängd.
Bĕkunt wår`n mër Nebĕr uch dĕ Frängd!

Karlsruhe, Februar 1996, Erännĕrungĕn ious mengĕr Kängdhïd.

Die Leute aus meiner Zeit

Bekannt war‘n mir die Leute im Dorf
Schon zur Zeit als ich noch klein war dort.
Gespielt hab' ich mit den Kindern zusammen,
Wir nannten uns ja alle beim Namen.

Grüßen lernte ich die Leut auf der Gass,
Ob Freunde oder Feinde, ganz ohne Hass.
Ich lernte es zu Hause, beim Lehrer Ehrlich,
Danach auch beim Pfarrer Knall in der Kirch.

Die Alten sollte ich halten in Ehren,
Das war das Erste was ich mußt' lernen.
Mit Geschwistern, Freunden gut zusammen leben,
Das mußte ich schon als Kind verstehen.

Wir waren viele in einem Hause drinn,
Auf dem Hof lebte auch mein Pitzihm.
Man mußte gar viel Geduld aufbringen,
Um nicht einer den andern zu drängen.

Dennoch gab es gunug Donner, Gewitter,
Das wir als Kinder steif warn vor Gezitter.
Ganz besonders wenn weiter ging der Streit,
Mit: „ Wie? und was? Das dich der Schinder heut!“

Doch erfinderisch wie die Kinder mal sind,
Zeigten sie bei Gefahr einen besondern Sinn.
Kaum fing einer an zu kreischen, zu biseln,
Zogen alle Kinder davon wie die Wieselln.

Dann war alles vergessen beim Laufen,
Wo Kinder sich sammelten zum Haufen.
Weg war Donnerwetter und Kreichen zu Haus,
Wir kletterten herum, wer machte sich was draus!

Wir kamen gar viele zusammen,
Im Wehrwald, am Berg und im Hummen,
Der Getz, der Hans, der Sim, Lisi und Mai,
Auch andre aus der Berggass waren dabai.

Kein Weg war zu schwer, kein Baum zu Hoch,
Wir warn oben, dann unten, wer wußte das noch?
Der Wald war nicht weit und lockte zum Spielen,
Keiner wollte zurück bleiben beim Zielen.

Wer konnte da zurück bleiben und zusehn,
Wie Kinder spielten Klebsch und Drachen drehn.
Wette laufen mit Hunden, Runden um Runden,
Über Zäune springen mal oben mal unten.

Im Eifer, beim Spielen verging schnell die Zeit,
Aber wer merkte das, ihr lieben Leut.
„Es ist fast dunkel“! Sagt Tim mit Gewein,
Und schon rief uns Mutter: „Kinder kommt Heim!“

---

Ich hör' auch heute noch diese sanfte Stimm,
Trotzdem viele Jahre sind gegangen dahin...
Wo einst Hof, Haus und Garten stand mit Hund,
Ist heut' alles verwüstet bis auf den Grund!

Erzählt mir's, sagt mir, ihr lieben Leut!
Wo seid ihr alle geblieben heut?
Als Kind hab ich euch gekannt als Getreue,
Wie die Nachbarn sich kennen und Freunde.

(c) M. M. Binder-Scholten Karlsruhe, Februar 1996, Erinnerungen aus meiner Kindheit